Heute mal ein Post zu einem anderen Thema.

Seit einigen Tagen wird die KMU-/Solo-Selbständigen-/Freiberufler-Soforthilfe des Landes Baden-Württemberg diskutiert. Die Rahmenbedingungen für dieses Programm können hier (
https://wm.baden-wuerttemberg.de/de/service/foerderprogramme-und-aufrufe/liste-foerderprogramme/soforthilfe-corona/) nachgelesen werden. Seit zwei Tagen nun mehren sich die Hinweise, dass dieses Verfahren etwas anders abläuft als ursprünglich dargestellt. Grund ist der folgende Passus in den FAQs zum Antrag:

Muss ich erst sämtliches Privatvermögen einsetzen bevor ich den Zuschuss beantragen kann?

Vor Inanspruchnahme der Soforthilfe ist verfügbares liquides Privatvermögen einzusetzen.

Nicht anzurechnen sind beispielsweise langfristige Altersversorgung (Aktien, Immobilien, Lebensversicherungen etc.) oder Mittel in angemessener Höhe, die für einen durchschnittlichen Lebensunterhalt benötigt werden.


Was bedeutet das z.B. für eine GmbH in unserer Größe ?  Müssen wir unseren Dispo-Kredit voll ausreizen und ggf. auch privates Vermögen als Gesellschafter zuschiessen, bis auch dieses aufgebraucht ist? Um dann einmalig maximal 9000,- EURO oder 15.000,-EURO für drei Monate als "Hilfe" zu erhalten ? Aktuell ist es noch nicht klar, wie dieser Satz "gelebt" wird, insofern wird viel spekuliert. Sollte er im o.g. Sinne gelebt werden, dann stellt sich für mich folgende Frage: welcher Banken-Lobbyist hat an dieser Regelung mitgeschrieben ? Wenn sie so gelebt wird, wird dieses Geld keine Hilfe für die einzelnen Unternehmen/Solos/Freiberufler sein, sondern eine Insolvenzverschleppung zu Gunsten der "armen" Hausbanken, um wenigestens einen Teil ihrer Forderungsausfälle zu finanzieren.


Also: Sterbehilfe statt Wirtschaftshilfe.


*!POLEMIK!*

Ich schreibe es hier auf - Lehrer und Beamte von Grün und Schwarz im Landtag, für die das Geld automatisch aus der Steckdose kommt, entscheiden über den wichtigesten Wirtschaftsfaktor des Landes - den kleinen Mittelstand in dem sie Steuergelder verpulvern für die Insolvenzbegleitung der Kleinbetriebe. Bitte merken Sie sich das für die kommenden Wahlen - wer da als Teilhaber die Realwirtschaft (nicht der Banken) nochmal Schwarz oder Grün wählt, sollte seinen Geisteszustand prüfen lassen. Was man sonst wählen könnte ? Nichts. Alles andere ist sicher noch schlimmer.

*!/ENDE POLEMIK!*


Wie gesagt - es muss und sollte abgewartet werden, wie dies tatsächlich gelebt wird. Ich schaue mir jetzt mal die Förderkredite der KfW an - wenn die kolportierten bis zu 7% Zins über die Hausbanken auch stimmen, dann haben wir die nächste Bankensubventionierung gefunden.


Meine Alternative: Investitionen.


Das Land und der Bund sollten massiv als Nachfrager auftreten. Alle Projekte die geplant sind großzügig in die Wirtschaft geben. Investitionen in Digitalisierung, sozialen  Wohnungsbau, Schulen- und Krankenhaus-Ausbau und Modernisierung massiv hochfahren. Themen gibt es genug. Umschulungsmaßnahmen für Pflegeberufe anbieten und Besoldungsschlüssel hochsetzen. Das Geld SINNVOLL und mit Nutzen für die Gemeinschaft ausgeben. Arbeit statt Almosen und Sterbehilfen - das brauchen wir jetzt. So kämen wir besser aus der Krise heraus als wir hinein gegangen sind, die Gemeinschaft hätte einen realen Gegenwert für das ausgegebene Geld und etliche Unternehmen/Freiberufler/Solo-Selbständige noch eine Existenz. Alle werden wir nicht retten können - aber vielleicht  genug um einen totalen Absturz zu verhindern.


Meinungen ?


Nachdenklich,


Heiko.

Heiko Voigt   |   27 March 2020 08:57:20   |    Corona    |  
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Comments (1)

Henning Heinz       27.03.2020 15:49:38

Bitte merken Sie sich das für die kommenden Wahlen - als Wenn Wahlen etwas am Status Quo ändern würden.

Man hofft immer dass es diesmal anders ist aber letzendlich versucht der Staat immer eine Umverteilung aus der Mitte nach Oben und Unten denn die Mitte leistet immer am wenigsten Wiederstand. Unten klagt man seine Rechte ein und Oben kann man sich fast jedem, Druckmittel entziehen. Notfalls wird man Schweizer wie der Herr Kühne von Kühne & Nagel oder der Herr Müller von der Müller Milch. Da hilft dann auch keine Kavallerie mehr.

Ich drücke mal die Daumen - viel Glück.und bitte gesund bleiben.

Pedro Sola       29.03.2020 11:18:27

Hallo Heiko,

die KfW-Kredite werden glücklicherweise nur bei max. 2% liegen. Das hat mir mein Banker schon gesagt. Zumindest ist das dann wohl für unsereiner eine gute Wahl wenn man langfristig davon ausgeht es wieder zurückzahlen zu können. Für Gastronomen ist das natülich alles humbitz. Die haben diesen "Nachholeffekt" eher nur begrenzt. Bin gespannt welche Restaurants wir nach dem 20.04. noch überhaupt sehen werden...

Dabei wollte ich doch noch unbedingt den neuen Stern in Herrenberg testen :-( .

Investitionen sind eine gute Sache, aber auch hier hat man als "kleiner" immer das Problem so ne Ausschreibung gegen die Ausschreibungsprofis zu gewinnen.

Das einzige übrigbleibende Instrument ist leider die Kurzarbeit, um die Mitarbeiter solange wie möglich an Bord zu halten in der Hoffnung, dass sie einem dann auch nach dieser schrecklichen Zeit die Treue halten.