10 January 2018 Wednesday

2017 - mein Jahressückblick

Das Jahr 2017 – mein Rückblick

Das Jahr 2017 hat für mich turbulent begonnen. Unsere im November 2016 geborenen Zwillinge zwangen mir eine komplett neue Tages- und Nachtroutine auf. Füttern, wickeln, spielen, spazieren gehen, füttern, wickeln, schlafen, nachts um drei im Halbschlaf Schoppen machen und geben und das tagein tagaus. Ich lernte den Begriff “Jetstream” neu zu definieren – wenn meine kleine die Milchflasche in der Nacht in einem Zug weggeputzt hat, dann war dies der “Jetstream”.Und jede Nacht hoffte ich auf selbigen, entschied er doch, ob ich nach 15 Minuten wieder im Bett sein konnte oder ob es 45 bis 60 Minuten dauern würde.

Früh im Jahr verstarb mein Schwiegervater, ein Mann, zu dem ich ein sehr herzliches und liebevolles Verhältnis hatte und der mich immer wie einen seiner Söhne behandelt hat. Lieber Kurt, ich bin froh, dass Du Deine kleine Enkelchen noch kennenlernen konntest und wir noch ein gemeinsames Weihnachtsfest feiern durften. Du hinterlässt große Fusstapfen und ich habe viel von Dir gelernt.

Das Irre in dieser Zeit ist, dass man erst mit unglaublicher Verzögerung zum Nachdenken kommt. Bis Februar war ich noch vier Tage die Woche in einem tollen Projekt in Köln, zwei kleine Schlümpfe zuhause, Firmen in Kanada und Deutschland und zwei weitere direkt betreute Kunden in Süddeutschland. Und dann kam der harte Bruch – Elternzeit ab erstem März. Jetzt mussten die Firmen und Kunden mit “Minimalbetreuung” funktionieren – ich musste deligieren, umverteilen und Aufgaben abgeben an meine Mitarbeiter. Und es hat funktioniert ! An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei den Mitarbeitern der SIT GmbH und der Harbour Light Software Development Ltd. bedanken, die mir in diesem Jahr mit großem Einsatz den Rücken frei gehalten haben. Ohne Euch hätte dieses Jahr ganz böse ausgehen können. Habt Dank dafür !

Wenn wir gerade bei der beruflichen Sicht sind – dieses Jahr wurden einige neue Technologien in unser Portfolio aufgenommen. Neben etlichen IBM Watson APIs haben Unity, die Microsoft Hololens und Amazon Alexa bei uns und in etlichen Kundenprojekten Einzug gehalten. Die letzte Ergänzung ist das Apple AR Kit.
Wir sind jetzt mit Mail und Collaboration in der Cloud. Tut. Reicht. Nicht alles geht, nicht immer sind wir online aber insgesamt überwiegen für uns als kleines Unternehmen die Kostenvorteile ganz klar. Schon die halbe gesparte Stromrechnung für unsere Connections Serverfarm im eigenen RZ bezahlt nun das Jahresabo für die IBM Connections Cloud und IBM Verse. Der freut sich der Schwabe in mir.

Meine Usergroup-Aktivitäten haben sich in diesem Jahr auf die Cross Canadian Collaboration Userg Group (C3UG) beschränkt – ein neues Video-Format wurde aufgesetzt und eine Multizeitzonen-Veranstaltung von der Ostküste in Halifax über Toronto und Calgary bis zur Westküste in Vancouver mit Vor-Ort-Veranstaltungen und Live-Video-Streams in die einzelnen Lokationen. Das alles hat tierisch Spaß gemacht und viele neue Kontakte und interessante Gespräche erbracht. Im Dezember konnte ich mein erstes Video für die C3UG produzieren mit Maureen Leleand zum Thema “Project Livegrid” - in Kürze auf dem C3UG YouTube Kanal.

Veranstaltungen. Ich war auf der DNUG in Berlin (in meinen Augen eine tolle Veranstaltung), auf besagter C3UG Veranstaltung und seit Jahren einmal nicht auf der Connect-O-Sphere. Und ich muss sagen, ich habe es nicht bedauert. Die Nachlese-Events hier sind sehr gut und bringen das Wesentliche auf den Punkt. Die Kontaktpflege wurde virtueller aber deswegen nicht weniger intensiv. Die DNUG Stammtische in Stuttgart habe ich nach einem letzten denkwürdigen Abend an den Nagel gehängt – zu viel Ärger mit den “Kollegen”.
In Kanada ticken die Uhren anders. Der permanente Mehltau über den IT-Entscheidungen in Deutschland weicht dort einem manchmal fast heiteren Ausprobieren. Klar, kostet Geld, wenn’s klappt ist gut, wenn nicht macht man was anderes. Man ist flexibel und undogmatisch bis auf zwei Dinge – iPhones und Microsoft Office 365. Alles andere kann munter mit hinzugemischt werden – in der Cloud, on premises oder hybrid – man setzt sich hin und analysiert die Fachanwendungen und entscheidet dann. Heterogenität wird als Chance betrachtet und nicht als IT-Leitungs-Versagen dargestellt. Einer unserer Kunden im Finanzsektor brachte es auf den Punkt - “wenn ihr uns ein Fachverfahren bauen könnt mit einer IT Lösung die wir noch nicht haben, die Lösung aber genau passt, dann nehmen wir sie. Wir sind in der IT Dienstleister des Fachbereichs, kein Klugscheißer.”. Man ist schneller bei einem Kunden drin, aber auch schneller wieder draußen, wenn die Leistung nicht passt. Die Zusammenarbeit ist in der Regel aber sehr gut – als einem unserer Kunden das Geld ausging und fünf Mitarbeiter aus dieser Firma heraus eine neue Firma gründeten, wurden wir von den weggehenden Leuten gewarnt, schnell unsere Forderungen geltend zu machen. So sind wir um einen großen Forderungsausfall herumgekommen und hatten einen neuen Kunden. Man muss auch mal Glück haben. Und so ist Harbour Light auch im 6. Jahr des Bestehens wieder profitabel und wächst. Unser größeres Büro in downtown Shelburne ist eröffnet und “operational” - es war ein gutes Jahr.

Für die SIT GmbH war es ebenfalls ein gutes Jahr. Wir konnten alle Bestandskunden halten und einige Neukunden gewinnen, bei denen sich langjährige Partnerschaften abzeichnen. Von einem Entwicklungspartner mussten wir uns mit einer Gerichtsverhandlung trennen aber auch dieses für mich persönlich sehr anstregende und unglaublich dämliche Verfahren konnte ebenfalls mittels eines Vergleichs noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Viel Zeit und Geld ging dabei verloren und manches Momentum ging vorüber. Trotz dieser aussergewöhnlichen Belastungen werden wir ein starkes wirtschaftliches Ergebnis haben, was einmal mehr für die Qualität meiner Mitarbeiter spricht.

Die knappe Zeit, die mir Job und Kinder gelassen haben, wurde von unserem dritten Nebenprojekt aufgefressen – wir bauen. Eine spezielle Erfahrung, die in Kürze mit eigenen Blogeinträgen gewürdigt werden wird. Einzug ist Ende Februar 2018 geplant – zum Ende meiner Elternzeit.

A propos Elternzeit – ich rate jedem Elternteil, dieses Angebot UNBEDINGT zu nutzen. Die Erfahrungen, die ich in diesem Jahr mit meinen zwei Schlümpfen machen durfte sind unbezahlbar und unwiederbringlich. Ich habe die Zeit nicht immer ad-hoc genossen aber meist schon am Abend wieder über das Wunder des Lebens gestaunt und die unglaubliche Reise, die diese beiden kleinen Menschlein durchlaufen. Und heute, mit 13 Monaten, beginnen sie bereits zu sprechen und laufen auch schon. Ich habe einen eigenständigen Blog für diese Reise angefangen – mit dem für mich bezeichnenden Titel “Einling kann Jeder”. Zwillinge sind etwas besonderes und sind faszinierend in Ihrer Entwicklung. Gleichzeitig prasselt die gesamte westliche Shoppingkultur auf junge Eltern ein. Es ist unglaublich, was zwei kleine Kinder, die nicht laufen, essen und reden können bereits an Ausrüstung und Kleidung “brauchen” und wie groß die Industrie in diesem Komplex ist und wie viel Druck bereits aus Eltern speziell im Bereich Gesundheit und Sicherheit gemacht wird. Mir kommt es im Nachhinein wie ein Zufall vor, dass wir als Vorgeneration überhaupt die Kindheit überlebt haben.

Wir haben nun auch Trump schon eine Weile überstanden, die GROKO bei uns wird nicht vermisst, kommt aber wieder und beerdigt mal eben so das Klimaziel für 2020 am ersten Sondierungstag. Das Schlimme an solchen Hirnpüpsen ist, dass mit der Abkehr von solch zentralen Weichenstellungen für Wirtschaft und Gesellschaft irgendwann nichts mher sicher ist. Man sehe sich die Foriesten auf SPON zu diesem Thema an – die deutschen AKW-Betreiber schiessen aus allen Rohren, um auch diesen Ausstiegs-Beschluss wieder zu kippen. Aber so ist es, wenn man außer dem eigenen Machterhalt keine Werte und kein Rückgrat hat. Das betrifft zum einen die Union aber auch die SPD, die wie es Dieter Hildebrandt einmal treffend formuliert hat “… jede Hose vollmacht, die man ihr hinhält...”.

Somit wird 2018 turbulent werden – ich freue mich auf die “Maple Lounge” auf der Think!-Konferenz im März, auf spannende Themen im Bereich VR/AR und die intensive Zusammenarbeit mit meinen Kunden mit neuen und alten Themen.

Es grüßt ein neugieriger

Heiko Voigt.
Heiko Voigt   |   10 January 2018 09:56:36   |     |  
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Comments (1)

Steffen       10.01.2018 22:04:55

Und für ein gemeinsames Bier hat es auch gereicht 😅 Cooler Bericht. Macht einfach weiter so, ihr vier.