Moin,

die letzten Monate habe ich mich neben XPages Enwticklungen bei verschiedenen Kunden mit Restrukturieungsprojekten im Breich der IT beschäftigen dürfen. Hier ging es bei verschiedenen Unternehmen um Produktivitäts-Steigerungen (schneller, besser, weniger Kosten) und teilweise auch eine Neuausrichtung im Betrieb (Stichworte: Bring your own device, Enable mobile apps im Bereich der Smartphone-Unterstützung), als auch die Umstrukturierung von Content Management Prozessen bis hin zu Umorganisationen. Interessante Themen also.

Alle Projekte wurden von externen Unternehmensberatern begleitet. Diese kamen aus unterschiedlichen Beratungshäusern, kamen aber alle mit der Fragestellung: "Was wäre, wenn wir die IT auf der grünen Wiese neu aufbauen würden ? Wie würden Sie dann Ihre Prozesse, Tools und Standards schneiden ?"

Diese Frage traf auf dem C-Level der Kunden auf offene Ohren und wurde vielfach ausgiebig beleuchtet. Ergebnisse dieser "Beleuchtung" wurden dann in die Umsetzungsprojekte aufgenommen.

Bislang sind ALLE dieser getroffenen Erkentnisse und Wünsche in der Praxis wieder verworfen oder zurückgenommen worden. Warum ?

Nun, die "grüne Wiese" gibt es nicht. Planungen in diesem Ansatz bedeuten für mich auch automatisch eine Planung von Machbarkeit sowie die Rechnung von Transformations- bzw. Opportunitätskosten - und hier ergeben sich aus meiner jetzigen Erfahrung die grössten Diskrepanzen. Viele Teilnehmer dieser C-Level-Runden kennen die hauseigenen Prozesse und Vorgaben (z.B. aus Revision und Rechnungswesen) nicht. Sie unterschätzen die Integrationstiefe und Komplexität der existierenden Welt, speziell, wenn sie sich von einem vermeintlich einfachen Modell ("wir machen alles auf der grünen Wiese neu") verführen lassen, Details und Notwendigkeiten der Praxis ausser acht zu lassen. Meist werden die "Subject Matter Experts" des jeweiligen Unternehmens bewusst ignoriert, da diese ja vermeintlich in der "alten Welt" zu stark verhaftet sind. Dass diese Welt nicht aus Selbstzweck entstanden ist wird ebenfalls grosszügig ignoriert.

Für die externen Berater ist dies kein Problem - man hatte ja den Kunden stets bestätigen lassen, dass die erarbeiteten Ergebnisse richtig und tragfähig sind. Warum ist dieses Modell so interessant ? Nun, man muss vermeintlich von den "alten" Problemen, Werkzeugen und Prozessen nichts verstanden haben. Zitat eines Beraters: "Wir machen uns frei und fangen neu an".

Was bleibt also nach solchen Interationsrunden ?

  • Es bleibt/entsteht ein Graben zwischen engagierten Mitarbeitern und der Führungsmannschaft (die "da oben" haben keine Ahnung, die "da unten" bremsen nur)
  • Existierende Prozesse und Systeme werden nicht optimiert und weiterentwickelt - man wartet auf den neuen, "grossen" Wurf, der dann fast immer den Service Level verschlechtert und über Jahre wieder "optimiert" werden muss. Statt  Innovation entsteht erstmal Stau.
  • Durch schlechter werdende Service Levels halten die Kunden die IT früher oder später für unfähig - "alles was früher ging kostet heute mehr Aufwand und ist komplizierter"
  • Teile der Subject Matter Experts wandern ab - ihr Wissen und ihre Erfahrung sind nicht mehr gefragt - denglisch "Brain drain", "fachliche Verdummung" hat dies ein Kollege genannt.
  • Dadurch wird das Management in seinem Urteil bestätigt - die "da unten" kapieren die Veränderungsprozesse nicht
  • Kombiniert man dann noch im Managment die Tendenz, umzuorganisieren, neue Posten zu schaffen und zu "netzwerken/seilschaften" mit dem "Grüne Wiese"-Ansatz, so entstehen die für die Mitarbeiter "vollständig sachkenntnisfreien Entscheidungen" - der endgültige, langfristige Niedergang von Motivation und Leistungsbereitschaft in der Belegschaft beginnt.
Am Ende bleibt entweder ein knirschendes Geamtsystem oder ein Trümmerhaufen aus alt und neu.

Aber bis dahin gibt es einen neuen Beratungsansatz - ganz bestimmt ! ;-).

Ähnliche Erfahrungen gemacht ?

Gruss,

Heiko.


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Heiko Voigt   |   17 November 2011 15:22:51   |    Consulting    |  
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