13 November 2017 Monday

Es könnte so schön sein....


Ein paar traurige Erfahrungen von der Projekt-Front.

Heute war ich wieder mal bei meinem Lieblingskunden und hatte nach einiger Zeit wieder einmal mit den dortigen Administratoren zu tun. Ich kenne die Kollegen dort schon einige Jahre, aber einen so deprimierten Eindruck haben die Kollegen noch nie auf mich gemacht. Was war geschehen ? Seit einem oder zwei Jahren haben sie einen neuen Abteilungsleiter, der als Führungskraft gerne Durftmarken im IT-Bereich setzen möchte. Dies hat er getan - nicht immer mit allzu großem Erfolg. Einige dieser nicht so erfolgreichen Aktionen sind ihm auch direkt selbst anzulasten. Was tut nun ein gestandener Manager ohne persönliche finanzielle Verantwortung in solch einer prekären Situation ? Er tritt zum Angriff an.
Das bedeutet, dass zunächst die Kontrolldichte der eigenen Abteilung erhöht wird, in dem Eigenverantwortung der Mitarbeiter durch Bürokratie ersetzt wird und Vertrauen durch konsequentes Misstrauen und "Fertig-machen" der eigenen Leute ersetzt wird. Parallel werden Nebenkriegsschauplätze eröffnet, indem im Management-Zirkel bislang unauffällige Randbereiche in den Fokus genommen werden um z.B. bestehende, hoch effizient arbeitende und top administrierte Anwendungssysteme kaputt zu reden. Dies wird mit einiger Perfidität im Management vorangetrieben. Wie das geht ? Der berühmte deutsche Innovationsansatz im ideenlosen Mittel-(Maß-)-IT-Management: kaputt sparen.

Man nehme eine funktionierende Infrastruktur mit kosteneffizienten Anwendungen, guten Antwortzeiten und motivierten Mitarbeitern für Entwicklung und Betrieb. Man stoppe möglichst viele Wartungs- und Optimierungsvorhaben auf der Plattform (O-Ton: "... es läuft doch auch so ..."), überziehe die Mitarbeiter mit bürokratischen Prozessen zur Aufwandserhöhung bei gleichzeitiger Verkleinerung der Mannschaft. Man stoppt außerdem die Neuentwicklung von Anwendungen auf der Plattform und schafft Doppelstrukturen nach eigenem Gusto. Damit kann für jedes Projekt endlos diskutiert werden, wo es denn implementiert werden soll/darf/kann.
Durch mangelnde Wartung der Anwendungen und der Infrastruktur schließt sich dann nach einiger Zeit der Kreis - es kommt zu den ersten Ausfällen einer Kernanwendung für 2 Stunden nach 10 Jahren (!!!) Uptime. Das ist natürlich sofort ein Grund, die gesamte Plattform lieber heute als morgen rauszunehmen. Man hat es ja schon immer gewusst.

Eigentlich bin ich ein Freund von Veränderungen. Neue Besen kehren gut - da ist eigentlich was dran. Aber - wenn ein Besen immer nur "neu" ist, sprich als Wanderpokal von Firma zu Firma zieht und verschwindet, wenn ihn seine Fehler wieder einholen - da ist aus meiner Sicht Vorsicht geboten. Aber das zählt ja nicht bei der Einstellung von solchen Leuten. Das Ergebnis bei diesem Kunden, die nun eine "IT-Heuschrecke" im Haus haben ist mehr als ernüchternd - die Motivation, die Begeisterung und die Leistungsbereitschaft eines der technisch und menschlich besten Teams die ich über die Jahre bei meinen Kunden kennengelernt habe geht den Bach 'runter. Die Leute werden konsequent verunsichert und entweder zum Dienst nach Vorschrift oder in die innere und äußere Emigration getrieben.

Und so verlottert eine der besten, schnellsten und technisch und kostenseitig besten Infrastrukturen und IT-Systemen die ich kenne aufgrund - ja, warum eigentlich ? Wegen den persönlichen Eitelkeiten einer IT-Heuschrecke ? Das wäre zu wünschen - die zieht bald weiter und es bestünde Grund zur Hoffnung. Wenn die Heuschrecke aber auf höheren Befehl handelt und nur die Rampensau für noch höhere Granden spielt - dann geht wohl wieder ein großes Stück IT-Kompetenz in Deutschland verloren.

Es könnte so schön sein - es kann der frömmste, schnellste und kostengünstigste nicht in Frieden arbeiten, wenn es der bösen Führungskraft nicht gefällt.

Etwas traurig grüßt,

Heiko.
Heiko Voigt   |   13 November 2017 19:51:08   |    Kunden  Management  Zufriedenheit    |  
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